Projektbeschreibung

Kirchner und der Erste Weltkrieg
„Ich möchte selbst tot sein“

Ernst Ludwig KIRCHNER an

Hansgeorg Knoblauch am

14.02.1929 vom Wildbodenhaus /Davos

Kohlezeichnungen von Robert Schneider

Zitate von Ernst Ludwig Kirchner

18.9.- 9.11.2014

KirchnerHAUS ASCHAFFENBURG

„Die Kriegsjahre haben mich grausam zugerichtet und
ich lebe eigentlich nur noch, weil ich mich an meine Kunst geklammert habe.”

Ernst Ludwig KIRCHNER an Hansgeorg Knoblauch am 14.02.1929 vom Wildbodenhaus /Davos

Spuren dieses Leidenswegs blieben erhalten: In einigen sarkastischen fotografischen Selbstporträts als Soldat, in zahlreichen Zeichnungen, aber vor allem in Worten, die uns als Briefzitate und schriftliche Selbstbespiegelungen vorliegen. Die Ausstellung in Kirchners Geburtshaus zeigt neben einigen Fotografien Kirchners eine Auswahl seiner teils erschütternden Zitate auf Schrift-Bahnen. Diesen Selbstzeugnissen werden in der Ausstellung eindrucksvolle, in den Jahren 2001 und 2002 entstan- dene Kohlezeichnungen zum Thema „Verdun“ gegenübergestellt.

Hier ist ein Künstler unserer Zeit, Robert Schneider, auf seine Weise Spuren dieses Kriegs nachgegan- gen: Er hat sich auf eine Zeitreise begeben, und zwar zum furchtbarsten Schauplatz dieses ersten Weltkrieges der Geschichte: Dem Leidensort Verdun, den er in einen Zyklus von vierzig großformati- gen Kohlezeichnungen bannte, von denen die Ausstellung im Kirchnerhaus einen Ausschnitt zeigt. In einem künstlerisch hochrangigen, minutiösen und akribischen zeichnerischen Duktus formt Robert Schneider menschenleere Orte einer Zerstörung oder vielmehr die zurückgebliebenen Spuren ihrer Zerstörung, die sich in der Erinnerung eingebrannt haben.

Robert SCHNEIDER „Verdun Nr. 8”, Kohlezeichnung

Diese Spuren hat der Künstler an den Orten des Geschehens gesucht, um daraus sein zeichnerisches Epos zu formen. Dabei sind Kunstwerke von suggestiver Kraft entstanden, bei denen es Robert Schnei- der vor allem um eine visuelle Verbindlichkeit geht:

„So als würde das Auge mit der Macht der Kohle- zeichnung an den realen Schauplatz der Geschichte geführt und auf diese seltsamen Strukturen und Perspektiven fixiert und in ihren Bann gezogen. …Hier schuf ein begnadeter Zeichner … aus Fragmenten und Strukturen eine neue dichte Wirklich- keit …in der das Reale und die Fiktion bestehen, eines vom anderen nicht trennbar. (Bernd Küster)

Robert SCHNEIDER

geb. am 29. Juli 1944
in Buchheim bei Freiburg im Breisgau lebt als freier Maler in Hamburg

Robert Schneider hat sich in seinem Werk den unbequemen Themen der Geschichte zugewendet: Krieg, Zerstörung, Menschenvernichtung, aber auch Umweltverschmutzung, Industriefriedhöfe, Schlachthäuser. Er ist ein Moralist, der berührt, bewegt, aufrüttelt, erschüttert, aber nicht vorder- gründig anklagt. Seine Bilder zeigen die Spuren, die Hinterlassenschaften der Zerstörung und nicht deren eigentlichen Akt. Verdun, Auschwitz, Bitterfeld: Drei ganz unterschiedliche Orte mit ganz un- terschiedlicher Geschichte – jeder auf seine Art noch immer ein Menetekel.

Öffnungszeiten:

Sonntag, 14.00 – 17.00 Uhr und nach Vereinbarung

Vorträge:

Vortrag von Dr. Dr. Bernd Wengler: „Kirchner und der Krieg.

Psychoanalytische Betrachtungen“