Projektbeschreibung

Aufbruch und Umbruch

EXPRESSIONISMUS
in der Sammlung Brabant

„Expressionismus” ist zunächst der Sammelbegriff für eine neuartige, ausdrucksgeladene Kunst, deren Beginn die Gründung der Künstlergruppe „Brücke“ im Jahr 1905 markiert:

Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, allesamt Studenten oder Absolventen des Faches Architektur an der TH Dresden, warfen sämtliche Regeln des akademischen Kunstbetriebs über Bord und schufen sich „Arm- und Lebensfreiheit“zur Verwirklichung ihrer neuen, revolutionären künstlerischen Ideen. Bis auf Fritz Bleyl, der bald nach der Gründung von „Brücke“ ein bürgerliches Leben suchte, malten die jungen Künstler ihre neuartig wilden Bilder zunächst in ihren gemeinsamen Ateliers in Dresden, dann an den Moritzburger Seen und danach in der pulsierenden Weltstadt Berlin bis zum Ausbruch des 1.Weltkriegs. Diesen begrüßten sie zunächst als Befreiung vom Wilhelminischen Kaiserreich mit seinen verkrusteten gesellschaftlicher Strukturen. Doch bald hatten der Weltkrieg mit dem Verlust naher Freunde und Künstlerkollegen, teilweise auch die eigene furchtbare Fronterfahrung, zu Ernüchterung, ja Entsetzen geführt. Desillusioniert blieben sie zwar zunächst noch ihrem expressionistischen Formenvokabular treu, hinterfragten aber das Pathos der Vorkriegsjahre, wurden zunehmend nüchterner, auch politischer. Einige von ihnen mündeten in einen rein sachlichen, kühlen Stil, den man seit etwa 1925 „Neue Sach- lichkeit“ nannte. Andere führten den Expressionismus der Aufbruchszeit in eine gemäßigte, „weichere“ Formensprache, für den man den Begriff „Spätexpressionismus“ prägte.

Jenen Stilwandel möchte die Ausstellung anhand ausgewählter und überwiegend vom Sammler neu erworbener Ge- mälde, Zeichnungen und graphischer Arbeiten verdeutlichen.

Neben Werken Kirchners und seiner „Brücke“-Kollegen Heckel, Pechstein, Schmidt-Rottluff, Otto Mueller sind Gemälde und Papierarbeiten bedeutender Expressionisten wie Jawlensky oder Felixmüller zu sehen, aber auch einige Arbeiten des „Blauen Reiters“, wie Kandinsky, Marc und Macke. Diese bildeten keine feste Künstlergruppe wie „Brücke“; ihre Vertreter fanden sich zusammen in der Überzeugung, dass jeder Mensch eine innere und eine äußere Erlebniswirklichkeit besitze, die durch Kunst zusammengeführt werden könne.

Arbeiten von berühmten Vertretern der Moderne in Deutschland konfrontiert die Ausstellung mit Werken von weniger bekannten Künstlern der expressionistischen und spätexpressionistischen Epoche, die gleichwohl exemplarisch für die Kunst ihres Schaffenszeitraums stehen.

Da der „Expressionismus“ weit über die bildende Kunst hinaus in sämtliche Bereiche der Kunst und Kultur hinein wirkte, wird die Ausstellung von einer Veranstaltungsreihe begleitet, die unter dem Titel „Expressionismus als Gesamtkunstwerk in Zeiten des Aufbruchs“ das Phänomen „Expressionismus“ beleuchtet, das bis heute die Menschen zu fesseln vermag.

 

 

Begleitprogramm zur Ausstellung

Expressionismus ist ein Gesamtphänomen, das alle Kultur- und Lebensbe- reiche erfasste und bis heute fortwirkt. In einer Veranstaltungsreihe sollen die Facetten dieses „Lebensgefühls“ Expressionismus beleuchtet werden.

 

Expressionismus in der Architektur

Freitag, 28. April 2017, 14.15 Uhr, Treffpunkt Hauptbahnhof Aschaffenburg

Exkursion mit Michael Pfeifer und Wilfried Kaib zur
Katholischen Pfarrkirche St. Petrus und Paulus in Dettingen,
Architekt Dominikus Böhm, Ausstattung (Malerei) Reinhold Ewald. Ankunft Aschaffenburg 17.15 Uhr. Fahrtkosten von 2,80 € bis 7,00 €.

 

 

Expressionismus – eine Revolution in der Literatur

Mittwoch, 7. Juni 2017, 19.00 Uhr

Hofbibliothek, Schloss Johannisburg, Aschaffenburg

Lesung mit Dr. Linduschka in der Hofbibliothek

 

Expressionismus als Gesamtkunstwerk in Zeiten des Aufbruchs

Donnerstag, 6. Juli 2017, 19.00 Uhr

im KirchnerHAUS. Gesprächsrunde mit:

– Dr. Dr. Bernd Wengler (Seelischer Realismus einer neuen Künstlergeneration)

– Dr. Brigitte Schad (Bildende Kunst)

– Dr. Heinz Linduschka (Literatur)

– Johannes Möller (Musik)

– Wilfried Kaib (Moderation)

Öffnungszeiten

Di., Do., Fr., Sa., 14.00 – 17.00 Uhr

Mi., 16.00 – 19.00 Uhr

So., 11.00 – 17.00 Uhr

Geschlossen: Karfreitag 14.04.2017

Die Kulturtage 2017 stehen unter dem Motto: „Aufbruch“. Zur „Museumsnacht“ am Sa., 8. Juli 2017 ist die Ausstellung von 14.00 bis 21.00 Uhr geöffnet. Der Button der Kulturtage gilt am 8. Juli als Eintrittskarte und kann im KirchnerHAUS erworben werden.

 

Führungen

An ausgewählten Sonntagen um 14.30 Uhr

Experten-Führungen

Dr. Dr. Bernd Wengler Sonntag, 23.4., 7.5. und 11.6.

Öffentliche Führungen

Anne Hundhausen
Sonntag, 16.4., 21.5., 28.5., 2.7., 9.7. und 23.7.

Weitere Führungen

Auf Anfrage:

info@kirchnerhaus-aschaffenburg.de

VORTRÄGE

Freitag, 23. Juni, 18.00 Uhr

Dr. Dr. Bernd Wengler

„Expressionismus – Seelischer Realismus einer neuen Künstlergeneration“

Der Vortrag will den Expressionismus nicht als Stilepoche nahe bringen, sondern als einen gesellschaftskritischen, künstlerischen Ausdruck des individuellen Erlebens einer Künstlergeneration. Aus einem psychohistorischen Blickwinkel soll ihr Streben, das Ursprüngliche zu suchen, beleuchtet werden.

 

Freitag, 21. Juli, 18.00 Uhr

Dr. Brigitte Schad

Franz Marc: „Wie sieht das Tier die Welt?“

Streifzüge durch Werk und Biographie des bedeutenden „Blaue Reiter“- Künstlers

Franz Marc hat die Gattung der Tiermalerei mit einer völlig neuen Sichtweise revolutioniert. Der Vortrag zieht Vergleiche zu Tierdarstellungen der „Brücke“-Künstler und thematisiert die bislang unbekannte Freundschaft Franz Marcs zu der aus Aschaffenburg stammenden Sophie („Sissi“) Brentano, der Großnichte Clemens Brentanos und Freundin Nele van de Veldes, die sich von Ernst Ludwig Kirchner in der Schweiz in die Kunst des Holzschnittes einweisen ließ.